Erlebtes - Beispiele aus dem Coaching
April 2026
Von der Perfektionsfalle zur Selbstfürsorge
Guter Anspruch, belastende Gedanken
Frau M. hat eine neue Stelle angetreten. In ihrer aktuellen Rolle stehen nun die ersten eigenständigen Aufgaben und Verantwortungen an. Die Kundin spürt einen starken inneren Druck, alles perfekt machen zu müssen. Sie erkennt, dass dieser Anspruch unter anderem typisch für sensible Menschen ist, die sich bewusst darüber sind, dass das eigene Handeln direkte Auswirkungen hat. Frau M. ist überrascht, dass sie dieses Verhalten grundsätzlich durchaus für sich passend findet – obwohl sie es doch eigentlich loswerden wollte. Gleichzeitig belasten sie die ständigen Sorgengedanken („Ich darf nichts falsch machen!“), die sich im Alltag immer wieder aufdrängen.Was wäre ein gutes Ergebnis?
Die Kundin möchte lernen, diese belastenden Gedanken aktiv zu stoppen, bevor sie sich verselbstständigen. Sie möchte künftig selbst entscheiden, ob die Gedanken gerade hilfreich sind oder einfach nur wie wild auf sie einplappern. Gemeinsam betrachten wir, was es mit dem Verhalten der "negativen Spirale" auf sich hat, um es erst verstehen und dann justieren zu können.
Hintergründe und innere Dynamik
Im Gespräch wird deutlich, dass ein „innerer Fürsorgeträger“ seit langem die Aufgabe hat, Frau M. vor Abhängigkeit und Verletzung zu schützen. Dieser Anteil hat sie durch schwierige Zeiten gebracht, hält aber an alten Mustern fest – etwa dem Streben nach Perfektion und Kontrolle. Nun gilt es, diesen Anteil behutsam an neue Werte wie Wachstum und Lebensfreude heranzuführen. Weil das eine neue Art zu denken ist, braucht es anfangs besondere Aufmerksamkeit.
Den inneren Anteil einbeziehen
Um diesen inneren Anteil behutsam umzuschulen, überlegt Frau M., wie sie das im Alltag umsetzen kann. Sie erkennt, dass es erhöhte Aufmerksamkeit braucht, um sich bewusst dem Positiven zuzuwenden – etwa morgens inne zu halten und zu prüfen, was gerade an Ideen durch den Kopf huscht – und dann bewusst nicht sofort an mögliche Misserfolge, sondern z.B. an die Vorfreude auf eine Begegnung zu denken.
Frau M. (bzw. Der innere Fürsorgeträger) sorgt sich, ob sie dann nicht zu nachlässig wird und dadurch ihr Ansehen gefährdet. Daher trifft sie für sich die Vereinbarung, dass sie dieses neue Verhalten drei Monate lang ausprobiert und beobachtet, welche Auswirkungen es hat. Der innere Fürsorgeträger bleibt zwar skeptisch, zeigt sich aber offen für das neue Vorgehen, sofern es das Wohlbefinden fördert.
Kleine Schritte der Selbstfürsorge
Der Weg führt nicht über das Wegdrängen der Gedanken, sondern darüber, sie bewusst wahrzunehmen – und dann zu entscheiden, ob sie gerade hilfreich sind. Die Klientin nimmt mit, dass es normal ist, in Übergangsphasen unsicher zu sein, und dass sie mit kleinen Schritten und Selbstfürsorge ihre innere Haltung verändern kann.


